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Regie
Günter Krämer
Bühnenbild
Philippe Miesch
Kostüme
Falk Bauer
Alceste
Helmuth Lohner
Philinte, sein Freund
Michael Dangl
Célimène
Anja Laïs
Oronte
Herbert Föttinger
Arsinoé
Traute Hoess
Acaste
Alexander Strömer
Clitander
Boris Eder
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Molière
Der Menschenfeind
Premiere: 9. November 2002
Ein verliebter Menschenfeind? Das kann nicht gut gehen. Und geht es auch nicht in Molières 1666
entstandener Gesellschaftskomödie. Alcestes Hass auf die Spielregeln der ihn umgebenden
Spassgesellschaft hat viele gute Gründe, sein Leiden an einer unerträglichen Seichtheit des Seins
ist nachvollziehbar. Er scheint im Recht mit seiner Radikalkritik an den "fraktalen
Persönlichkeiten", die ihr Leben wie ein Unternehmen begreifen, eine Ich-AG, die strategisch
geführt werden muss, wo Werte, Lifestyles, Kommunikation, Bindungen und Trennungen nur Techniken
sind, um das Grundkapital der eigenen Persönlichkeit geschickt zu vermehren.
Und doch, so muss man fragen, warum ist Alcestes Kampfplatz ausgerechnet die Clique der
lebenslustigen Celimène. Warum muss er, bis zur Tollheit, sich selbst und diese Dame von Welt, die
Verkörperung all dessen was er brandmarkt, mit seiner Liebe quälen. Er verfolgt das widerstrebende
Objekt seiner Begierde so obsessiv, dass er lächerlich wird und sich selbst ins Unrecht setzt.
Gegen Coolness und Distanz, die einen - wie auch immer gearteten - zivilen Umgang ermöglichen, will
er die Tyrannei der Intimität durchsetzen. Zöge er sich in seine erträumte Einöde zurück, wäre
seine Position als Menschenfeind, dem die Aufgabe der Demaskierung zukommt, gerettet. Doch so, in
der Gefühls- und Beziehungsfalle, könnte das Missverhältnis zwischen seinen Maximen einer
abstrakten Moral einerseits und seinem von maßloser Leidenschaft dominierten Verhalten andererseits
kaum krasser sein. Molières Menschenfeind braucht offensichtlich diese selbstverliebte Welt, und
sei es nur, um sie zu denunzieren und um sich an ihr aufzureiben. So wäre denn der tugendhafte
Zensor vielleicht doch nur ein enttäuschter Narziss, der im Beweis seiner Einzigartigkeit sein
Glück findet.
Es braucht wenig, um im historisch Entfernten das Nahe zu finden, Molière gehört zu den
Gegenwärtigen: ''Er hat das Tier Mensch wie ein Insekt aufgespießt und löst mit feiner Pinzette
seine Reflexe aus. Und das Insekt Mensch zeigt nur den einen, immer gleichen Reflex, der bei der
geringsten Berührung aufzuckt: den des Egoismus.'' (Jean Anouilh)
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